Anzeige gegen Umweltsünder

Anzeige gegen die Zerstörer der Biberburg in Unterschleißheim erstattet

In die BN-Kamerafalle getappt: Unterschleißheimer Biber im März 2017 (Foto: Bund Naturschutz Schleißheim)

26.02.2018

Nachdem Unbekannte in Unterschleißheim im Februar die Biberburg am Weiher entfernt hatten, wurde der Bund Naturschutz nun aktiv. Am vergangenen Freitag meldete die Kreisgruppe München in Zusammenarbeit mit der Ortsgruppe Schleißheim den Fall offiziell bei der Unteren Naturschutzbehörde und erstattete Anzeige bei der Polizei. Der Biber genießt laut Bundesnaturschutzgesetz höchstmöglichen Schutzstatus. Demnach ist es unter anderem streng verboten, seine Fortpflanzungs- oder Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören.

Es gibt zwar eine Reihe von Ausnahmen, beispielsweise im Zusammenhang mit baurechtlich genehmigten Eingriffen in den Naturhaushalt oder bei gravierenden Konflikten mit Landnutzern oder Grundstücksbesitzern. Bevor aber ein Biberbau entfernt oder ein Tier geschossen werden darf, müssen alle Lösungsmöglichkeiten mit dem Biberberater abgeklärt und behördlich genehmigt werden.

Nichts davon geschah im vorliegenden Fall. Vielmehr wurde die knapp drei Meter hohe Burg in einer Nacht- und Nebelaktion unbemerkt und möglicherweise mit Hilfe von Maschinen abgetragen. Sie war winterfest mit Schlickauftrag angelegt und hatte ein sogenanntes Nahrungsfloß vor dem Eingang. Da die Biberfamilie keine weitere Burg in der Nähe besaß, wurde sie obdachlos. Den aktuellen Kälteeinbruch dürfte sie nicht überleben.

Noch ist völlig offen, wer hinter dem Delikt steht. Die Stadt Unterschleißheim schließt aus, dass es sich um ein Versehen im Zusammenhang mit Forstarbeiten auf dem städtischen Grund handeln könnte. Sie will sich aktiv an der Aufklärung beteiligen.

Dass die Biberburg geschleift wurde, ist besonders bedauerlich, weil sich in den vergangenen Jahren eine zunehmend friedliche Koexistenz mit dem Biber abzeichnete. Die anfänglichen Befürchtungen, die Biber würden nach und nach sämtliche Ufergehölze fällen, erwiesen sich als unbegründet: Irgendwann war ein Stadium erreicht, das zwar manchem Ordnungsliebhaber Unbehagen bereitete, anderen dafür umso mehr Vergnügen, etwa bei der Beobachtung der Biberfamilie vom Küchenfenster aus, beim Sonntagsspaziergang oder bei einer Exkursion mit der Schulklasse in die Wildnis vor der Haustüre.

Der Biberrevieren eigene, urwüchsige Charme kommt nicht von ungefähr: Wo die umtriebigen Nager Dämme bauen, Bäume fällen und Ufer gestalten, explodiert die Artenvielfalt. Diese Renaturierung zum Nulltarif trägt nicht nur zur Selbstreinigung von Bächen bei, sondern auch zum Hochwasserschutz in den Oberläufen. Das deckt sich mit der alten Forderung von Naturschutz und Wasserwirtschaft: mehr und breitere Uferstreifen an den Gewässern. Dass der Biber dann endgültig überhandnehmen würde, ist dank seiner ausgeprägten Lebensraumansprüche und seines rigiden Revierverhaltens nicht zu befürchten.